ABSEITS DER KÜSTE

15. März 2026

Wie schon erwähnt, waren wir vor knapp acht Jahren bereits in Vietnam unterwegs. Damals führte uns unsere Route vom Mekong-Delta über Ho Chi Minh City immer schön an der Küste entlang Richtung Norden. Meer, Strand und ein bisschen Kultur – man „leidet“ ja gern ein bisschen auf Reisen.

Das zentrale Hochland haben wir damals allerdings komplett ignoriert. Warum genau, wissen wir heute auch nicht mehr. Vermutlich, weil man von der Küste aus einfach immer denkt: „Ach, das Hinterland läuft ja nicht weg.“

Tut es auch nicht. Aber man verpasst etwas.

Also starteten wir diesmal in Da Lat, einem ehemaligen französischen Kurort auf etwa 1.500 Metern Höhe. Die Franzosen hatten offenbar schon damals ein gutes Gespür dafür, wo man es temperaturmäßig aushält. Von dort ging es quer durch das zentrale Hochland über Lak Lake, Buon Ma Thuot, Kon Tum und Kham Duc, bis wir schließlich wieder Richtung Hoi An unterwegs waren.

Damit wir beide die Landschaft auch genießen konnten – und nicht nur mit Organisieren, Streckenplanung und Navigieren beschäftigt waren – hatten wir uns einen Fahrer und einen Guide organisiert.

Das zentrale Hochland ist eine Mischung aus sattgrünen Landschaften, kleinen Dörfern, endlosen Plantagen und Straßen, die entweder überraschend gut sind – oder plötzlich sehr abenteuerlich werden. Dazwischen tauchen viele Kirchen (was uns sehr überrascht hat, die Mehrheit der Hochlandbewohner sind Christen) auf, einige Tempel, kleine Werkstätten, Märkte und immer wieder Orte, an denen unsere 2 Jungs angehalten haben, um uns etwas Interessantes zu zeigen.

Das Hochland ist unter anderem bekannt für seine Blumenfarmen, Kaffeeplantagen sowie den Obst- und Gemüseanbau.

Überhaupt waren diese Tage eine Art Dauerkurs im vietnamesischen Alltag. Wir sahen, wie Seide hergestellt wird, wie Reisschnaps gebrannt wird, wie Drachenfrüchte oder Ananas wachsen, wie Pilze gezüchtet werden, wie Ziegel gebrannt und Räucherstäbchen hergestellt werden (Anmerkung der Redaktion: die Aufzählung ist nicht vollständig!). Dazu kamen kleine Werkstätten, in denen Särge mit aufwendigen Schnitzereien gefertigt werden, Köhlereien und unzählige Straßenstände, an denen alles verkauft wird, was gerade irgendwo gefangen, geerntet oder angebaut wurde. Die Lieferketten sind beeindruckend kurz.

Je weiter wir Richtung Norden fuhren, desto häufiger begegneten wir Spuren des Vietnamkriegs. Kriegsdenkmäler, alte Flugfelder und immer wieder der Hinweis auf den berühmten Ho Chi Minh Trail, der früher ein lebenswichtiges Versorgungsnetz durch diese Region war.

Unser Guide erzählte viel darüber – und plötzlich bekommt eine Landschaft, die auf den ersten Blick einfach nur grün und friedlich wirkt, eine ganz andere Dimension.

Nach fünf Tagen hatten wir jedenfalls das Gefühl, täglich mindestens fünf Folgen „Sendung mit der Maus“ über das zentrale Hochland Vietnams – inklusive Produktionsprozesse gesehen zu haben.

Unser Fazit: unglaublich spannend, unglaublich vielseitig – und auch ein bisschen überwältigend. Man sieht so viel, hört so viele Geschichten und sammelt so viele Eindrücke, dass man am Ende erstmal eine Pause braucht, um alles zu sortieren.

Genau das versuchen wir jetzt. Und für die nächsten Tage gilt: kein Fernsehen – und ganz sicher keine „Sendung mit der Maus“. 😉