JOGJA - WER, WAS?
22. Februar 2026
Neue Woche, neue Insel, neuer Ort. Nach dem Lake Toba auf Sumatra ging es weiter nach Java. Nicht in die Hauptstadt Jakarta, sondern in eine Stadt, deren Name uns vor dem Blick in den Reiseführer ehrlich gesagt vorher nichts sagte: Yogyakarta.
Yogyakarta – oder einfach „Jogja“, wie die Einheimischen sagen – ist das kulturelle Herz Javas. Die Metropolregion zählt rund vier Millionen Einwohner und gehört zur Sonderverwaltungsregion Yogyakarta. Besonders: Hier regiert bis heute ein Sultan, aktuell Hamengkubuwono X, der gleichzeitig Gouverneur ist – in Indonesien einzigartig.
Was uns sofort auffiel: die Stimmung.
Die Region hat einen der niedrigsten Mindestlöhne Indonesiens – und gleichzeitig gilt sie als die mit der höchsten Zufriedenheit. Und das spürt man. Überall freundliche Gesichter, ehrliches Interesse, Hilfsbereitschaft ohne Erwartung einer Gegenleistung. Kein Großstadtstress, kein Gehetze. Stattdessen Gelassenheit.
Nach dem Abenteuer im Dschungel auf Sumatra warteten hier zwei Kulturwunder.
Etwa 40 Kilometer nordwestlich der Stadt erhebt sich eines der beeindruckendsten Bauwerke Südostasiens: der Borobudur.
Hier wieder mal etwas Klugscheißerwissen. Wer an den Fakten zum Tempel nicht interessiert ist, bitte zwei Absätze überspringen:
Er wurde im 8. und 9. Jahrhundert unter der Sailendra-Dynastie erbaut und ist das größte buddhistische Tempelbauwerk der Welt. Rund zwei Millionen Steinblöcke wurden hier verbaut. Über 2.600 Reliefplatten erzählen von Buddhas Lehren, 504 Buddha-Statuen wachen über die Terrassen, und auf den oberen Ebenen sitzen 72 Buddhas in durchbrochenen Stupas.
Die gesamte Anlage ist wie ein riesiges Mandala angelegt. Man läuft sie im Uhrzeigersinn von unten nach oben – symbolisch vom Irdischen bis zur Erleuchtung, die oberste Plattform.
Was wir besonders faszinierend fanden: Borobudur war über Jahrhunderte von Vulkanasche und Dschungel bedeckt und geriet in Vergessenheit. Erst im 19. Jahrhundert wurde er unter britischer Verwaltung wiederentdeckt. Heute gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Und ja – er wurde vor Angkor Wat erbaut. Angeblich sollen die Khmer hier gewesen sein, um sich Inspiration für ihre eigene Baukunst zu holen. Man könnte also sagen: Erst kam Jogja, dann kam Kambodscha. Nur dass Borobudur deutlich weniger Marketing betreibt.
Entwarnung an dieser Stelle: Ihr werdet von Sonnenaufgangsbildern verschont. Die Jahreszeit spielte nicht mit – also gibt es stattdessen ein paar ehrliche Tageslicht-Impressionen. Ganz ohne Nebel-Filter und spirituelles Instagram-Drama. 😉
Nur wenige Kilometer von Yogyakarta entfernt wartet ein anderes architektonisches Meisterwerk: Prambanan. Der im 9. Jahrhundert erbaute Komplex ist der größte hinduistische Tempel Indonesiens. Die Haupttürme ragen fast 47 Meter in den Himmel, allen voran der dem Gott Shiva gewidmete Tempel.
Was uns beeindruckt hat: Innerhalb weniger Kilometer existieren zwei monumentale Bauwerke unterschiedlicher Religionen – buddhistisch und hinduistisch – beide aus derselben Epoche. Und wir? Hatten vorher noch nie davon gehört. Bildungsreise at its best.
Doch Yogyakarta lebt nicht nur von seinen Tempeln, die Stadt gilt als kreatives Zentrum Indonesiens.
Im Batik Museum haben wir uns die Geschichte und Technik erklären lassen. Unglaublich, wie viel Handarbeit, Geduld und Symbolik in jedem einzelnen Stoff steckt.
Und im Affandi Museum waren wir auch. Affandi war einer der bedeutendsten indonesischen Künstler des 20. Jahrhunderts.
Vielleicht kennt der ein oder andere Yogyakarta im Zusammenhang mit dem Vulkan Merapi. Merapi ist sozusagen der „Hausvulkan“, einer der aktivsten Vulkane Indonesiens und nur etwa 20 Kilometer von Yogyakarta entfernt. Sein letzter größerer Ausbruch war 2023, kleinere Aktivitäten gibt es regelmäßig – im Durchschnitt alle fünf bis zehn Jahre zeigt er ziemlich deutlich, wer hier eigentlich der Chef ist. Dauerhaft rauchend, latent bedrohlich, aber offenbar kein Grund für schlechte Laune in der Bevölkerung.
Wir waren knapp eine Woche in Yogyakarta. Für uns war es definitiv mehr als nur ein Zwischenstopp. Diese Stadt hat uns positiv überrascht – mit ihrer entspannten Art, den offenen Menschen und der Mischung aus Geschichte, Kultur und Alltag.
Wir haben uns ein kleines bisschen in Jogja verliebt.
Also packen wir unsere Rucksäcke mit etwas Wehmut, gefährlichem Halbwissen auf deutlich höherem Niveau – und ein paar Bildungslücken weniger, von denen wir vorher nicht einmal wussten, dass wir sie haben.
Und mit der Erkenntnis: Man muss nicht jede große Stadt kennen, um beeindruckt zu sein. Manchmal reicht eine, von der man vorher noch nie gehört hat.
Für uns geht es weiter. Wohin und warum, erzählen wir euch im nächsten Beitrag.