EASY RIDERS

29. März 2026

Es gab zwei Dinge, die wir (OK, ich bin ehrlich, die ich 😉) in diesem Urlaub unbedingt erleben wollte: Orang-Utans sehen – und die Ha Giang Loop im Norden Vietnams fahren. Und ja, wir haben nun beides geschafft. Während die Begegnung mit den Tieren beeindruckend war, wurde die Ha Giang Loop zu einem der intensivsten Abenteuer unserer gesamten Reise.

Vier Tage lang waren wir mit unseren vietnamesischen Easy Riders unterwegs. Anders als der Name vermuten lässt – viele kennen ihn noch aus dem gleichnamigen Film – handelt es sich hier nicht um freiheitsliebende Aussteiger, sondern um erfahrene, professionelle Motorradfahrer. Sie sind Guides, Mechaniker, Navigatoren und Geschichtenerzähler in einem. Wer selbst nicht fahren möchte oder sich die anspruchsvollen Straßen nicht zutraut, sitzt einfach hinten auf und lässt sich durch eine der spektakulärsten Regionen Südostasiens fahren.

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Die Ha Giang Loop selbst ist eine rund 400 Kilometer lange Rundstrecke im äußersten Norden Vietnams, nahe der chinesischen Grenze. Was auf der Karte überschaubar wirkt, entpuppt sich schnell als echte Herausforderung: enge, kurvige Bergstraßen, steile Anstiege, unvorhersehbare Straßenverhältnisse und immer wieder Wetterwechsel. Genau das macht den Reiz aus. Man fährt nicht einfach nur eine Strecke ab – man erlebt sie mit jeder Kurve neu.

Und Kurven gibt es viele. Sehr viele.

Schon nach den ersten Kilometern wird klar, dass es hier nicht um Geschwindigkeit geht, sondern um das Eintauchen in die Landschaft. Die Straße schlängelt sich durch eine Szenerie, die sich ständig verändert: grüne Reisterrassen, schroffe Karstberge, tiefe Täler und Nebelschwaden, die plötzlich aufziehen und ebenso schnell wieder verschwinden. Hinter jeder Biegung wartet ein neues Panorama, oft schöner als das davor.

Unsere Easy Riders wissen genau, wann es sich lohnt, anzuhalten. Und das tun wir häufig – nicht nur für Fotos, sondern auch, um kurz durchzuatmen und unseren mittlerweile doch recht beanspruchten Allerwertesten zu entlasten. Vier Tage auf dem Motorrad hinterlassen ihre Spuren, und am Abend sind wir jedes Mal froh, uns einmal komplett ausstrecken zu können.

Bei einer Bootsfahrt sind wir dann weniger Beobachter als vielmehr selbst Teil des Geschehens – als begehrte Fotomotive für vietnamesische Touristen, die sich gerne mit uns ablichten lassen.

Doch die Ha Giang Loop zeigt nicht nur ihre spektakuläre Natur. An einem Abschnitt unserer Route befinden wir uns nur noch wenige Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt – und stoßen auf einen langen Grenzzaun, der sich durch die Landschaft zieht. Unsere Guides erzählen uns, dass dieser erst 2022 errichtet wurde und sich über rund 3.000 Kilometer entlang der Grenzen von Myanmar, Laos und Vietnam zieht. Ein Thema, das in unseren Medien kaum vorkommt und vorkam, wird hier greifbar. Plötzlich wirkt die ganze Gegend gar nicht mehr so abgelegen, wie sie eigentlich aussieht – und man merkt, dass selbst hier die große Politik mit reinspielt.

Was diese vier Tage aber wirklich besonders macht, ist die Art des Reisens. Die Easy Riders kennen nicht nur die Straßen, sondern auch die Menschen und Geschichten dahinter. Sie halten an kleinen Dörfern, zeigen uns Märkte, erklären Traditionen und übersetzen Gespräche. Ohne sie wäre die Ha Giang Loop vermutlich „nur“ eine beeindruckende Landschaft gewesen – mit ihnen wird sie zu einem echten Einblick in das Leben im Norden Vietnams.

Das Mädel ist 97!!
Ganz normaler Alltag im Norden. Keine Touri-Inszenierung!

Am Ende bleiben vier Tage voller Kontraste: viel Adrenalin, ruhige Momente, beeindruckende Natur – und Eindrücke, die noch lange nachwirken. Die Ha Giang Loop ist weit mehr als eine Strecke auf der Landkarte – sie ist ein Erlebnis, das sich einbrennt.

Und vielleicht genau deshalb eines, dass wir nicht vergessen werden.