VIEHSCHEID AUF DEM MEKONG
4. Januar 2026
Wir haben Thailand hinter uns gelassen und sind nach Laos weitergereist. Klingt idyllisch. War es… theoretisch. Praktisch begann unser Laos-Abenteuer direkt an der Grenze – und zwar mit einem Empfang, der irgendwo zwischen „leicht genervt“ und „warum seid ihr eigentlich hier?“ lag. Besonders charmant, wenn man gerade 40 US-Dollar pro Person für das Visum auf den Tisch gelegt hat. Willkommen im Land – danke fürs Geld, und jetzt bitte nicht weiter stören.
Nach diesem Warm-up folgte der Klassiker: die zweitägige Slowboat-Tour von Houayxai nach Luang Prabang. Wir wussten, dass Hochsaison ist. Wir wussten auch, dass es voller werden könnte. Was wir nicht wussten: dass „voll“ in Laos offenbar neu definiert wurde.
Das Boot war nicht nur voll – es war maximal voll, eher so in Richtung Viehtransport oder Viehscheid, nur ohne Glocken. Jeder Zentimeter Sitzfläche wurde genutzt, persönliche Komfortzonen galten als westliches Luxusproblem. Sogar ein Moped und eine lebende Ziege waren Passagiere. Die Route in die andere Richtung soll übrigens immer noch entspannter sein – so wie wir sie von vor acht Jahren in Erinnerung hatten. In der Zwischenzeit wurde das Ganze allerdings so gehypt, dass wir heute nur noch eines sagen können: Lasst es. Wirklich. Spart euch das.
Und dann: Luang Prabang.
UNESCO-Weltkulturerbe, charmant, wunderschön – und tatsächlich ein Ort, den wir richtig genossen haben. Trotz Touristen, trotz Trubel. Oder vielleicht gerade deshalb, weil man hier wenigstens weiß, warum alle da sind. Tempel, Kolonialhäuser, Mekong-Sonnenuntergänge.
Seit unserem letzten Besuch hat sich in Laos einiges getan. Zum Beispiel gibt es jetzt eine Bahnstrecke. Gebaut von den Chinesen, wie sollte es anders sein. Aktuell kommt der Zug aus China über die Grenzstadt Boten und fährt in Laos dann über Luang Prabang bis nach Vientiane. Die Verlängerung bis Bangkok ist bis Ende 2028 geplant.
Rudi und ich sind uns ziemlich sicher, dass diese Strecke noch vor Stuttgart 21 oder der zweiten Münchner Stammstrecke fertiggestellt wird. Ohne weitere Kommentare.
Da wir die laotische Bahn noch nicht kannten, wollten wir das natürlich ausprobieren und kauften ein Ticket für die Strecke nach Muang Xai. Der Ticketkauf: erstaunlich einfach. Die Sicherheitskontrollen hingegen: weniger.
Das Gepäck wird durchleuchtet, der Passagier auch – und die Regeln sind strenger als an manchem Flughafen. Nagelscheren? Verboten. Nagelknipser? Ebenfalls. Spraydosen mit Flammensymbol? Auf keinen Fall.
Keine Sorge: Wir lassen unsere Fingernägel jetzt nicht wachsen. Unsere komplette Nagel-Nécessaire blieb vorsorglich in Luang Prabang, da wir ohnehin noch einen Stopp im von Karstbergen umschlungenen Dörfchen Nong Khiaw einlegen, bevor es nach Luang Prabang zurückgeht.
Der Bahnhof von Luang Prabang liegt übrigens etwa 12 Kilometer außerhalb der Stadt. Der Weg dorthin: abenteuerlich. Schlagloch an Schlagloch, Staub, Rütteln – und dann… dieses Gebäude.
Monumental. Riesig. Makellos.
Der Chinese denkt eben nicht klein. 😉
Die letzten Tage in Laos verbringen wir ganz entspannt, tanken neue Energie und bereiten uns auf ein für uns neues Land vor. Wohin es als Nächstes geht, verraten wir – ganz unlaotisch – bald.